Training
Training
Training
Training
Training
Training
Training
Treffen Shomen-Studien-Kreis in Waldniel -abgesagt-
abgesagt – BuL Schulübergreifende Seminar in Frankfurt
6. Trainerausbildungsseminar in Schwert
Trainer-Treffen in Frankfurt
Einladung_Ausbildertreffen_25Jan2020_Frankfurt2
Sportschule und Bildungsstätte des Landessportbund Hessen e.V.
Otto-Fleck-Schneise 4, 60528 Frankfurt am Main
Anfängertaining III
Anfängertraining II
Anfängertraining I
2. BMI (Bow-Mass-Index) Taikai
Am Sonntag dem 27.10. fanden sich 10 unerschrockene Kyudoka, zum Teil aus den Niederlanden, in Waldniel zum 2. BMI Taikai (Bogen-Maß-Index) ein. Durch die überschaubare Menge an Teilnehmern wurden wir diesmal nur in 3 Kategorien eingeteilt: „Leicht -, Mittel – und Schwergewicht“ – trotzdem wurde bei der Messung der Bogenstärke um jedes zusätzliche Gramm mit der Waage gefeilscht. Nach der BMI-Gruppeneinteilung stand zumindest schon fest, dass lustigerweise jeder ein Gewinner sein wird und wer in welcher Kategorie landete ist immer für eine Überraschung gut. Die Aufteilung ergab 3 Personen jeweils im Leicht – und Mittelgewicht und 4 bei der Schwergewichtsklasse.
Zur Eröffnung des eigentlichen Wettkampfes schoss Shige ein Yawatashi und danach ging es direkt mit dem Tachi des Leichtgewichtes los. Geschossen wurden 4×2 Pfeile, wobei 2 Punkte für die Qualifikation erforderlich waren und 1 Treffer ins Schwarze 1 Vollpunkt, 1 Treffer ins Weiße 0,5 Punkte bedeuteten. Man konnte von Runde zu Runde ausrechnen wieviel Punkte zur Qualifikation noch fehlen. Die Runden gingen rasend schnell vorbei und obwohl wir alle unser Bestes gaben – zumindest gehe ich davon aus – erreichte nur Michael die Qualifikation im Mittelgewicht und sicherte sich somit Platz 1 in dieser Kategorie. Shige war bei den Schwergewichten der Einzige mit 2 Punkten und das bedeutete für alle anderen Stechen um die Platzierungen im Enkin. Pro Kategorie wurde nun hart um die Nähe zur Mitte des Mato gekämpft und das ein oder andere Stechen wurde schon fast mit dem ersten Pfeil entschieden.
Pünktlich zum Mittagessen stand als Ergebnis fest:
Light Weight – 1. Platz Queeny, 2. Platz Björn und 3. Platz Joop
Middle Weight – 1. Platz Michael, 2. Platz Jonas und 3. Platz Angie
Heavy Weight – 1. Platz Andrea, 2. Platz Beate und 3. Platz Thomas
Nach einer großen Portion eines leckeren und erwärmenden Mittagessens von Heike und der ausgiebigen Überprüfung der Fußbodenheizung des Dojo ging es in den 2. Wettkampf.
Erfreulicherweise hatten nicht nur wir, sondern auch das Mato an Größe gewonnen und war auf 60 cm Durchmesser angewachsen. Ab jetzt durfte pro Runde nur 1 Pfeil geschossen werden, beginnend mit der Leichtgewicht-Gruppe und jeder Schütze mit Treffer kam in die nächste Runde. In der ersten Runde reduzierte sich die Anzahl der Schützen von 10 auf 6, in der nachfolgenden wieder um 2 auf 4. Nachdem es in der 3. Runde nur zu Treffern kam, wurde auf 36 cm gewechselt und schon reduzierten sich die Treffer auf 2. Die 5. Runde stellte sich als die Finale Schlacht des Izume-Wettkampfes heraus da es dann nur noch einen Treffer gab. Siegerin wurde zu meiner eigenen Überraschung – ich.
Da hatten wir uns an das große Mato gewöhnt, so ging es im letzten Wettkampf deutlich in die entgegengesetzte Richtung – ein kleines Goldmato mit 12 cm Durchmesser. Jeder hatte nur einen Pfeil und wenn das Mato getroffen wurde war der Wettkampf sofort beendet. Allerdings nicht in der ersten Runde … Wie zu erwarten war, hatte sich das Goldmato als kleiner Überlebenskünstler herausgestellt, das in der ersten Runde schon den Windhauch von in der Nähe einschlagenden Pfeilen abbekam, mehr aber auch nicht. Erst nach diversen Anfeuerungsversuchen gelang es Jonas in der 2. Runde den Widerstand des Matopapiers zu brechen und den letzten Wettkampf des BMI-Taikai für sich zu entscheiden.
Die Siegerehrung verlief sehr lustig und wir hoffen das jeder Teilnehmer eine gute Heimreise hatte. Einen herzlichen Dank für den witzigen Wettkampf, die ausgezeichnete Verpflegung und an alle die nicht dabei waren – Ihr habt was verpasst ;-). – Beate Dorst-Lehmann
Freundschaftsschießen mit Freunden aus dem „Kyo-Ren-Kan“ Kyudojo in Nuenen
Am 26.09.2019 konnten wir Andre Schiebroek und die Schützen aus dem „Kyo-Ren-Kan“ Kyudojo in Nuenen begrüßen. Durch das Kyo-Ren-Kan Kyudojo kam es auch zur ersten Spende für die Glastüren, die seit kurzem eingebaut sind.
Alle Schützen waren gut gelaunt und motiviert. Mit milden 20 °C und Sonnenschein hatten wir außerdem perfekte Voraussetzungen für das Training.
Zu Beginn des Trainings sollte jeder als Kaltstart in 3er Gruppen im Taihai vorschießen. Danach war bis zur Pause freies Schießen angesagt.
In der Mittagspause wurden die Schützen von Heikes hervorragenden Kochkünsten verwöhnt und für den anstehenden kleinen Wettkampf gestärkt.
Vor dem Wettkampf, bei dem von jedem Schützen 4 Pfeile geschossen wurden, sollte von jedem die Trefferchance über alle Treffer geschätzt. Am Ende lagen Joop und Björn mit einer geschätzten Trefferquote von 23% am nächsten am Ergebnis.
Wir freuen uns auf das nächste Freundschaftsschießen in Nuenen oder in Waldniel. – Jonas Reich –
Training
Mein erster Eindruck: Bericht einer Anfängerin
Shin Zen Bi.
Das Wahre. Das Gute. Das Schöne. Der Weg des Bogens birgt in sich Werte, die mich in dieser lauten Welt anrührten. Eine Welt, in der man sich des Gefühls wachsender Unhöflichkeit, Respektlosigkeit, Aggression und Egozentrik irgendwie nicht mehr erwehren kann. Mein Name ist Cora und ich war einmal klassischer Bogenschütze in einem Schießverein, mit einem Schießstand, mit Zielscheiben, Ringen und Wettbewerben. War einmal, denn der Recurve Bogen liegt mit allem Zubehör bereits eine ziemlich längere Weile unangetastet im Keller. So ganz vergisst man aber nicht, was die Grundwerte ausmachten. Konzentration. Alles aus dem Kopf wegfließen lassen. Probleme, Sorgen, Entscheidungen, Fragen. Weg damit. Auf korrekte Bewegungsabläufe achten, richtig atmen und vor allem, den Pfeil richtig loslassen. Ohne das trifft man nämlich nicht. Weil mich dieser Aspekt des Loslassens immer schon am meisten interessiert hatte – weniger der Wettkampf, die Ringe, die Konkurrenz oder das Gewinnen – erinnerte ich mich an japanisches Bogenschießen. Und so stürzte ich mich auf YouTube. Und sah diese wunderbaren Filme aus dem Kyudo Dojo innerhalb des Meji Schreins.
Die Würde. Die Eleganz. Die Gelassenheit.
Diese würdevollen Menschen, die in aller Weisheit, Eleganz, Gelassenheit und Ruhe den Pfeil auf seinen Weg loslassen. Weil er ihn selbst in das Ziel findet, wenn man ihm mit seinem Körper und seinem Geist die Möglichkeit dazu gibt. Die Stille, die sich schon alleine durch den Raum vermittelt. Die Kraft des Universums, die den Körper des Schützen in einem Fluss von Energie zu durchströmen scheint. Das war es. Das wollte ich auch. Meine ersten kleine Trippelschritte auf diesem großen Weg führten mich in eine Turnhalle. Draußen das Geschrei testosterongefüllter Jugendlicher auf dem Fußballplatz, drinnen der Geruch nach Schweiß, vermischt mit feuchtem Duschgelaerosol und eine große Halle, die mir irgendwie so alle Illusion raubte. Da stand ich nun, etwas verloren, mit einer Vogelzwille in der Hand. Jedenfalls dachte ich so. Bis ich im Internet auf Kyudo-in-Waldniel stieß. Mit Bildern, die all das repräsentierten, was ich mir unter meinem Bogenweg vorstellte. Und weil ich kein Zauderer bin, schrieb ich sofort eine Mail an den Ersten. So hieß es jedenfalls. Erster @. Für mich als deutschsozialisierte erst einmal etwas befremdlich. Die Antwort kam prompt. Freundlich, einladend und ich durfte den Verein kennenlernen, bei einem Training zuschauen und mich umsehen.

Die Schwelle zur Erkenntnis.
Ein kleiner Weg zwischen dunkelroten Backsteinmauen, inmitten eines kleinen Örtchens am linken Niederrhein. Am Ende eine Holztüre mit einem runden Kreis, ein Flügel offen, wie die freundliche Aufforderung mit einem Schritt 9.331 km – die Entfernung von meinem Zuhause bis zum Meji Schrein – zu überwinden. Und gleich nach dem Durchschreiten dieser magischen Schwelle fällt der Blick auf den Dojo. Mitten in einem Garten in Schwalmtal. Ein Haus aus Holz. Mit großen Glasfenstern. Mit augenscheinlich papiergefüllten Schiebetüren. Ein Raum voller stiller und klarer Schönheit. Ohne Ablenkung. Gefüllt mit der Energie von Shin. Und Zen. Und Bi. Eine Seite offen, gerichtet auf einen Teich voller Kois, umsäumt von Grün in allen Schattierungen, Windspielen, einer kleinen Brücke, Kies und Wegesteinen. Am Ende dann der Unterstand, unter dessen Dach sich die Ziele befinden. Die Matos, 36 cm kleine Pünktchen im Universum, in die sich nach 28 m die Energie des Schützen fängt. Wenn er mit Bogen und Pfeil zur Einheit werden konnte. Das war es. Und so trug ich mich gleich ein zum Anfängerkurs, der am nächsten Tag schon startete. Ich hatte Glück.

Die Entdeckung der Entenhaftigkeit.
Wie viel Glück merkte ich von der ersten Minute an. Ein völlig konzentrierter und fokussierter und vor allem gelassener und freundlicher Lehrer. Ein Sensai. Shige. Nicht nur ein Lehrer, der all dies mit eigenen Händen erbaut hatte. Auch ein Lehrer, dem es am Herzen liegt zu erklären, warum etwas ist, wie es ist. Statt eine für Westler relativ sinnentleerte Etikette formaler Abläufe erschloss sich in diesem Kurs so viel mehr. Angefangen vom Betreten des Dojos. Warum mit diesem oder jenem Fuß zuerst. Was ist eine Sonnen- und eine Schattenseite. Was bedeutet ein zentraler Punkt in diesem Dojo, gefüllt mit einem kleinen Schrein, geweiht von einem Shinto-Priester. Was gebe ich dem Dojo an positiver Energie und Freundlichkeit und was gibt er mir zurück. Was bedeutet es, sich mit einem Bogen und einem Pfeil zu verbinden. Was bedeutet Respekt oder auch Dankbarkeit. Wie kehrt Stille in mich ein. Was bedeutet der Fluss des Atmens. Und warum ist dieses seltsame Gehmuster, das ich beim ersten Zuschauen so gar nicht verstand, nicht wirklich seltsam, sondern bedeutet die Komprimierung von Kraft und Energie im Raum, die sich wandelt in Präsenz. Dazu die gemeinsamen Vorbereitungen vor dem eigentlichen Schießen. Das Staubwedeln, den Sand vor den Matos mit einem Reisigbesen wegkehren, die Ordnung als Respekt vor dem eigentlichen Akt des Schießens einkehren zu lassen. Eine gute Ordnung, die Stille gibt und Konzentration erst wirklich möglich macht. Ohne Ablenkung. Voller Schönheit. „Ach herrlich“ dachte ich. So viel zu lernen und zu verstehen. Und dann muss man das ja alles auch selbst üben und erfahren. Das wird ja wohl nicht so schwer sein. Irgendwie waren all die Abläufe so klar und einleuchtend. Die Bewegungen im Kopf so gut nachvollziehbar. Und dann hatte ich ja auch über 10 Jahre klassisches Ballett getanzt. Ich war Bogenschütze. Nun. Als erstes sollte ich knien. Bei der Begrüßung, die mit der inneren Einkehr den Geist zur Ruhe bringt. Zu größten Überraschung meiner selbst konnte ich nicht knien. Das tat so weh, das mir fast schlecht wurde. Mein erster Gang nach der ersten Kyudo Stunde war der zum Physiotherapeuten. Seitdem übe ich knien. Irgendwann kann ich es vielleicht. Bis dahin stehe ich und lerne Bescheidenheit. Dann übten wir das Gehen. Ich schob mit all meiner Vorstellungskraft die Energie des Raumes vor mich hin, versuchte sie zu bündeln und für mich zu nutzen. Und wackelte wie eine alte Ente von Ecke zu Ecke des Dojos. Von wegen Eleganz. Ich war so konzentriert auf die Abfolge der Schritte, die Stellung der Füße und das entsprechende Drehen des Körpers beim Richtungswechsel, das jegliche Eleganz völlig abhandenkam. Und sich auch nicht einstellen wollte. Die Füße sollen ja nicht vom Boden, was meine aber hartnäckig verweigerten. Dazu all die japanischen Worte. Ashibumi, das Stellen der Füße. Dozukuri, ich richte meinen Körper in Balance der Achsen aus. Shige hatte uns dazu ein kleines Büchlein gemailt, das ich mir ausgedruckt hatte. Und irgendwie konnte ich mir die Worte nicht merken und verwechselte immer die Buchstaben. Was dazu führte, das mich manch befremdeter Blick mit einem Fragezeichen streifte. Was ich wohl meinte…

Uchiokoshi.
Und dann kam das allererste Mal, wo ich einen Bogen in die Hand nehmen durfte. Dieser riesige Bogen. Zentral vor dem Körper hochheben. Drehen. Ziehen. Ich war mir bis dato nicht bewusst, wie eckig unelegant ich wirklich sein konnte. Mein Enten-Dasein schien sich zu manifestieren. Ich schoss mir vor den Unterarm, der Tage später noch in den schönsten Regenbogenfarben leuchtete. Und vors Gesicht. Meine Faszien verziehen mir die neuen Beanspruchungen nicht und antworteten mit üblen Schmerzen und ein paar Tage lief ich wie ein Fragezeichen. Dann geriet mir meine eigene Bogenvergangenheit mit verankerten Bewegungsabläufen zum Nachteil, weil meine Hand sich immer in die falsche Richtung drehte oder meine Arme die Sehne nicht parallel zogen. Tatsächlich schaffte ich es, auf eine Entfernung von nur knapp zwei Metern einen Pfeil an einem überdimensional großen Ziel, nämlich dem Makiwara genannten Übungsstrohballen, vorbeizuschießen. Der Pfeil auf immer verloren im Schilf des Koi-Teichs. Wie peinlich. Und das erste Mal schlich sich das Verständnis in mein Herz, was denn der ältere japanische Schütze in einem Interview so bescheiden äußerte: „Ich habe jetzt 15 Jahre für den 8. Dan geübt und denke, dass ich mich jetzt für die Prüfung anmelden kann“. Der Weg des Bogens… Und ja, es ist tatsächlich ein Weg. Nichts wird so klar wie diese Erkenntnis, wenn man in aller Differenz zwischen Vorstellungskraft und tatsächlichem Bewegungsablauf steckt. Wenn der Respekt wächst in dem Verständnis um die Millionen Dinge, die hinter dem schlichten Heben des Bogens, dem Blick auf das Ziel, dem Ziehen und dem Loslassen des Pfeils stecken.
Der Weg des Bogens.
Es ist schön, diesen Weg mit anderen gemeinsam zu gehen. In einem vereinten Wissen um Defizite. Aber auch um Lernen und Wachstum. Um ein stilles Lächeln, das sich in Augen spiegelt, wenn wieder etwas nicht gelingt. Oder aber auch wenn es gelingt. In dem Wissen, dass es gar nicht darum geht, ein Ziel zu treffen. Sondern darum, eins zu werden im energetischen Fluss des Universums. Seinen Platz zu finden. Seinen ganz eigenen Platz. Nicht für andere etwas zu tun, für andere perfekt zu sein, nicht für Statussymbole oder vordergründigen Erfolg. Vereint zu sein in einer Erkenntnis: Los zu lassen. So ist das mit Shin, Zen und Bi. Und so war das mit meinen ersten Tagen und Gedanken beim Kyudo in Waldniel.
(Cora Hillekamp)
3. Kyu Prüfung – oder die Kunst, an alles zu denken
Warum bin ich eigentlich so aufgeregt? Ich stehe an dem mit zwei Klötzen angedeuteten Eingang zum Dojo in der Sporthalle Krahnendonk in Mönchengladbach und werde jeden Moment die erste Riege Schützen zur Honza führen. Wir vier streben in der heutigen Prüfung den 3. Kyu an. Mit dabei: Meine Vereinskollegin Dagmar. Ebenso Frank, der sich in einer der später folgenden Riegen der Prüfung zum 2. Kyu stellen wird.
Ich wurde als Omae eingeteilt, da ich – mit nicht ganz einem Jahr Kyudo-Alter – die jüngste hier bin. Die Position vorn kommt mir sehr entgegen, sonst wäre ich vermutlich noch aufgeregter. Warum das so ist? Während ich auf das Kommando zum Start warte, denk’ ich darüber nach.
Ist es das Schießen? Nein, das ist es nicht. Auch nicht so sehr die Prüfung. Die Wahrheit ist – und das ist das eigentlich Unangenehme – ich kann mir die Abfolge der einzelnen Schritte und Hassetsus einfach nicht merken. Noch am Vorabend der Prüfung habe ich beim Training eine besonders „kreative“ Variation des Taihai zur Aufführung gebracht.
Um ehrlich zu sein, bin ich mit den einzelnen Hassetsus schon sehr beschäftigt. Kommen jetzt noch Schritte und Bewegungen des Taihai dazu, befinde ich mich im Grenzbereich des Machbaren. Soll ich mich in der Situation noch mit anderen Schützen und deren Bewegungen synchronisieren und das Timing halten, bin ich raus. Mir dämmert langsam, warum ich beim Kinderballett immer allein tanzen musste. Heute, als Omae, irgendwie auch und das ist vermutlich auch gut so.

Start: Es geht los. Schritt, Schritt, Verbeugung vor der Kamiza, ich zähle langsam bis acht, immer und immer wieder bis ich an der Honza ankomme.
Mit Shigeyasu Kameo, unserem Trainer, habe ich in Vorbereitung auf die Prüfung das Atmen geübt. Das klingt banal, aber es hilft. Er hat mir gezeigt, wie und wann ich bei den Hassetsus ein- und ausatmen muss, damit ich jeden einzelnen Schritt des Bewegungsablaufs konzentriert ausführen kann; ganz so, als trüge man Scheuklappen. Für mich ist das sehr wichtig.
Wie gesagt, ich kann mir die einzelnen Schritte des Taihai nur schwer merken. Diese sind mir gelegentlich so schleierhaft wie der Verbleib meines Autoschlüssels, den ich schon nach stundenlangem Suchen an Orten wie dem Gefrierfach des Kühlschranks wiedergefunden habe. Wenn man mich hingegen heute fragt, was Tante Helga Weihnachten ’96 anhatte, dann weiß ich das. Was nach Ushiokoshi kommt, leider nicht.
Daher bin ich auch so aufgeregt und mache alles viel zu schnell. Von Ashibumi bis Hanare in unter zehn Sekunden? Für mich kein Problem! Natürlich ist es eines und ich weiß, dass ich heute nur bestehen werde, wenn ich die Bewegungen sauber, der Reihe nach und langsam ausführe. Also atme ich konzentriert und bin gespannt wie der Bogen im Kai, will an alles denken, will nichts vergessen. Gelingt es mir?
„Sabine, 3. Kyu“, heißt tatsächlich nach der Prüfung bei der Bekanntgabe der Ergebnisse, ich habe es geschafft.
Dagmar und Frank haben es auch geschafft und wir drei albern nach bestandener Prüfung beschwingt auf dem Parkplatz, als unser Trainer Shige zu uns kommt und fragt: „Sabine, hast du nichts vergessen?“
„Nein“, sage ich strahlend, „heute, so hoffe ich doch, nicht!“
Verschmitzt lächelnd zieht Shige einen blauen Bogenschuh hinter seinem Rücken hervor. „Ist das nicht deiner?“ Wir müssen alle lachen.
Der Bogenschuh ist aber auch wirklich klein, den kann man in einer so großen Halle doch leicht mal übersehen… (Sabine Kückemanns)

Freundschaftstreffen (Kyo-Ren-Kan)
Erfahrungsbericht von der Deutschen Enteki-Meisterschaft
Am 14. Und 15. September fanden in Düsseldorf die 28. Deutsche Enteki Meisterschaft statt. Es nahmen 32 Schützen aus Deutschland, Niederlande, Frankreich, Großbritannien und Ungarn teil. Das Schießen fand unter einem seitlich offenen Zelt auf natürlichem Rasenboden statt. Die Distanz beim Enteki beträgt 60m und der Durchmesser des Mato 1m. Geschossen wurde in der Standform mit jeweils drei Schützen je Mato. Es gab insgesamt drei Matos, so dass zeitgleich 9 Schützen schießen konnten.
Ich habe mich kurzentschlossen angemeldet, obwohl ich noch nie auf diese Distanz geschossen habe. Ich hoffte, vor dem Wettbewerb einmal in Düsseldorf zum Üben eingeladen zu werden. Leider hat dies aus Zeitlichen Gründen nicht mehr funktioniert. Also war ich an diesem Samstag rechtzeitig erschienen, um am Übungsschießen vor dem Wettbewerb teilzunehmen. Mit dem Wetter hatten wir Glück, die Sonne lachte vom Himmel. Es war für mich eine neue und angenehme Erfahrung, unter diesen Bedingungen zu schießen. Um 11 Uhr begann dann das Übungsschiessen. Mein erster Pfeil auf diese Distanz ging 10 Meter vor dem Mato zu Boden. Da eilte Shige mir zu Hilfe: „Ich solle den Winkel meiner Beine beim Ashibumi etwas verkleinern und nach dem Kai den Bogen etwas anheben, so dass der Pfeil einen leichten Bogen fliegt.“ Unter dieser Anleitung gelang mir mit meinem zweiten Pfeil schon einen Treffer. Ein kleiner Erfolg, der etwas beruhigte. Jeder Schütze hat 4 Pfeile. Zwei davon werden mit der Spitze ins Ziel und an der Shai auf den Boden niedergelegt.
Um 14 Uhr begann dann die Meisterschaft im Einzeln, nach der feierlichen Eröffnung. Shige hatte an diesem Tag die Funktion des Kampfrichters übernommen. Auch waren Heike, Dagmar und Uwe zum zuschauen und „anfeuern“ extra nach Düsseldorf gekommen, was sehr nett von Ihnen war. Ich erhielt die Startnummer 7. Da sich drei Schützen ein Mato teilten, hatte ich eine leicht seitliche Position. Es gab vier Durchgänge mit je 4 Pfeilen. Am Ende konnte ich mit einigen Treffern aufwarten. Was meine Erwartung zu meinem ersten Enteki weit übertraf.
Am nächsten Tag ging es mit der Meisterschaft der Mannschaften weiter. Der Morgen begann mit heftigen Regenschauern, die Glücklicherweise nicht von Dauer waren. An dieser Meisterschaft nahm auch Shigeyasu teil. Shige , Mirco vom Düsseldojo und ich stellten zusammen eine Mannschaft für NRW. Die Startnummer zehn, die ich tragen durfte, ermöglichte mir wieder die leicht seitliche Position, auf der ich schon am Vortag geschossen hatte. Es gab drei Durchgänge mit je 4 Pfeilen. Während Shige noch das Goldene Mato traf, reichte unsere Trefferquote insgesamt leider nicht aus, für einen der ersten drei Plätze.
Insgesamt waren es zwei sehr schöne Tage, mit netten Menschen und mit freundlichen, engagierten Gastgebern. Ich selbst konnte neue Erfahrungen sammeln und viel dazulernen. (Joachim Meyer)



























































































