Spätsommer-Gasshuku

Am Wochenende 19./20. September fand das Spätsommer-Gasshuku mit 14 Teilnehmer in Ryu-Sui-Kan Kyudojo statt. Am beiden Tagen hatten wir mit dem Wetter riesig glück und genossen das Spätsommer-Feeling.

Meisten Teilnehmer aus Frankfurt hatten kein Trainingsangebot seit Mitte März. Das heißt hatten Sie endlich die Möglichkeit nach der 6 Monate-Pause mit dem Bogen zu schießen.

am 1. Tag praktizieren wir die Zeremonie im Kimono und TaiHai für Keikogi-Träger. Da viele Makiwara-Schützen dabei waren, die gerade den Schießstil gewechselt haben, verteilt man sich überall um Dojo.

Abends hatten wir wunderschöne und lustige Gespräch mit der 4-gänge Menü von heikesKitchen. Anschließend hatten einige Schützen bis zur Mittenacht in smart casual geschossen.

Am 2. Tag praktizierten wir die Sharei im Kimono und den TaiHai im Keikogi nach dem Morgengymnastik und Frühstück. Nach der Mittagspause fand die Kyu-Prüfung zum 5. Kyu statt. Zum Schluss hatten wir den Wettkampf und man gibt die Schätzung für die gesamte Trefferzahl von allen Teilnehmer. Der Gewinner leider Jemand, der sehr pessimistisch eingeschätzt hat 😉

Zweite Kyu-Prüfung – erster Grad der Verunsicherung

Mönchengladbach, Krahnendonkhalle, 19. September 2020. Zwei Jahre Kyudo, zweite Kyu-Prüfung: Das hört sich gut an, finde ich. Die letzten Wochen habe ich intensiv trainiert, Theorie geübt, meine Sehne schön gemacht, bin pünktlich in der Halle erschienen, habe nichts vergessen, ausgeschlafen bin ich auch, die Haare sitzen, ich bin gut gelaunt. Was sollte jetzt noch schief gehen? Ich freue mich auf das Vorschießen der ersten zwei Pfeile.

In meiner Riege bin ich als letzte an der Reihe – wir vier streben heute den 2. Kyu an – lege den ersten Pfeil ein, hebe den Bogen, ziehe ihn langsam auf, es läuft wie am Schnürchen. Der Pfeil fällt. Der Pfeil fällt? Ja er fällt einfach zu Boden. „Shitsu ist kein Problem, das hast du geübt“, denke ich und beseitige meinen Fehler zügig und mit Gelassenheit. Ein Helfer holt ihn ab. Der zweite Pfeil wird dafür umso besser. Und genauso sollte es kommen, denn ich übertreffe mich diesmal selbst, als der zweite Pfeil, begleitet von einem unwillentlich geäußerten Ausruf des Entsetzens, laut scheppernd zu Boden geht.

Ich möchte jetzt nach Hause. Aber das geht nicht, denn es ist erst 11:30 Uhr – die Veranstaltung hat gerade erst begonnen und ich habe in den ersten Minuten bereits eindrucksvoll meine Fehlleistungen Pflöcken gleich lauthals eingeschlagen. „Läuft“, denke ich. Und was nun?  Auf Tischtennis umsteigen? Vom Bewegungsablauf deutlich zu kompliziert! Als ich beginne über Nordic Walking als neuen Sport nachzudenken, spricht mich meine Vereins-Kollegin Dagmar an: „Sabine hast du auch bemerkt, wie schwer sich die Pfeile aus dem Styropor hinter der Zielscheibe ziehen lassen? – Ach ne, du musstest deine ja gar nicht ziehen gehen“, korrigiert sie sich gleich darauf betreten. Wir beide müssen herzlich lachen, das tut gut.

Und dennoch bin ich jetzt verunsichert, habe das Gefühl, heute keinen Pfeil mehr ordentlich schießen zu können. Woran liegt das nur?

Natürlich, Kyudo ist kompliziert! Manchmal kommt es mir vor wie ein riesen Puzzle. Als Kyudo-Anfänger freut man sich wie ein Vorschulkind, wenn es einem gelingt, die vier bis fünf riesigen Puzzle-Teile aus dicker Pappe ungelenk zusammenzuhauen und man tatsächlich das korrekte Bild eines Marienkäfers oder Teddybären zum Vorschein bringt. Doch dann werden die Puzzle-Teile immer mehr und kleiner, feiner, die Bilder größer und komplizierter. Da bin ich noch lange nicht, aber ich würde sagen, dass ich jetzt schon fast ein kleines Katzen-Bild puzzeln kann. Heute habe ich allerdings den Überblick über die Teile verloren, ich habe nicht mal die Ecken gefunden oder den Rand legen können. Deutlich besser läuft es nämlich auch in den kommenden Übungsrunden nicht. Mir fällt zwar kein Pfeil mehr runter, aber ich komme auch nicht recht in den Bewegungsablauf hinein. Alles ist entweder zu locker, zu steif, zu kontrolliert – von allem eben ein bisschen „zu sehr“, sodass ich zunehmend verunsichert bin.

Es ist inzwischen nach 17 Uhr und die Prüfung steht an. Nur noch zwei Pfeile, die letzten für den heutigen Tag – und auch die entscheidenden. Jetzt muss ich noch einmal alles aus mir herausholen. Je mehr ich darüber nachdenke, erscheint es mir auch wieder als ein „zu“ viel „zu“ gezwungen und ich frage mich, warum ich eigentlich hier bin. Ich bin heute hier, weil mir Kyudo Freude macht, weil ich gern mit Pfeil und Bogen schieße, weil ich den Klang liebe, wenn sich der Bogen biegt,  der Pfeil sausend fortjagt und – vielleicht sogar – mit einem satten Plopp-Geräusch das Papier des Matos durchschlägt. All das macht mir einfach Freude!

Also besinne ich mich bei den letzten beiden Pfeilen des Tages allein darauf. Freude am Kyudo. „Plopp“, der erste Pfeil macht einfach nur Spaß; der zweite hinterlässt das gute Gefühl, es womöglich heute geschafft zu haben.

„2. Kyu“, heißt es bei der Bekanntgabe an diesem Nachmittag für meine Vereinskollegen Dagmar und Joachim – und tatsächlich auch für mich. Zumindest die Puzzle-Ecken habe ich wohl noch rechtzeitig gefunden.  – Sabine Kückemanns (2.Kyu)

Corona-Cup

Am Samstag, 12.09.2020, einen Tag vor der 29. Deutschen Enteki-Einzel-Meisterschaft fand in Düsseldorf beim Kyudojo Aderdamm der Corona-Cup, 29. Deutsche Enteki-Meisterschaft, Team, statt. Für mich nicht nur mein erster Wettkampf überhaupt, sondern auch zum ersten Mal das Schießen auf 60 Meter Entfernung. Von 12:00 Uhr bis 14.00 Uhr gab es ein freies Training.

Fast alle anwesenden Schützen hatten schon Enteki-Erfahrung – außer zweien. Aber auch andere nicht so erfahrene Kyodoka nahmen gerne an der Einführung in die Technik und den Wettkampfablauf durch Shigeyasu Kameo, den Kampfrichter, teil. Dann durften wir die ersten Schüsse ausführen. Ins Kai kommen, Tsumeai und Nerai ausführen, dann den Bogenarm heben indem man die Schulter aus der Horizontalen in eine zum Ziel hin himmelwärts gekippte Haltung bringt. Das Ziel verschwindet hinter der linken Hand. Ich fühle mich ziellos.

Erst wenn die richtige Position gefunden ist ins Nobiai gehen. Für mich mit meinen zwei Jahren Kyudoerfahrung eine Herausforderung. Durch die Änderung der Haltung ein zeitlich verlängertes Kai und kein Ziel in Sicht. Ich blicke in den Himmel – mein Pfeil sollte durch diese Haltung eine höhere parabelförmige Flugbahn nehmen damit sein Flug dadurch verlängert wird und er im mehr als doppelt so weit entfernten O-Mato auftrifft. Erst jetzt beginnt das Nobiai. Zum Himmel und zur Erde-nach schräg links oben und schräg rechts unten. Neu-ungewohnt. Schrittweise komme ich meinem Ziel näher. Nach acht Pfeilen habe ich tatsächlich zwei mal getroffen.

In der folgenden Pause durften wir uns am coronageeigneten Buffet erfrischen. Das Wetter könnte besser nicht sein. Sonne, ein laues Lüftchen, Spätsommerfeeling. Eine friedliche entspannte Stimmung hat diesen Wettkampf begleitet. Als mein Tatchi nach der Vergabe der Nummern feststeht haben wir uns schnell zusammengefunden und zwei Durchgänge gemeinsam geschossen. Ich durfte Omae sein und obwohl ich die anderen nicht sehen konnte hatte ich das Gefühl, dass wir ein gutes Team sind. Durch das gemeinsame Training konnten wir uns kennenlernen und wenn wir auch mit der Trefferquote teilweise vielleicht nicht zufrieden waren hatten wir doch als Team eine gute Basis.

Die zwei mal vier Wettkampfpfeile haben wir dann in guter Stimmung durchgezogen. Zu Beginn des Tages freute ich mich auf eine gemeinsame Zeit mit neuen Erfahrungen und netten Begegnungen. Dank der frischen Luft ein erster gemeinsamer Kyudo-Event seit langem. Über meinen kleinen Beitrag zur Gesamtwertung freue ich mich um so mehr. Mein erster Eintrag unter Erfolge im Kyodo-Pass ist ein 1. Platz beim Corona-Cup.

Unglaublich und doch wahr. Dank des Teams!

Kyodo in Waldniel e.V. hat mit (von links nach rechts) Joachim Meyer, Jonas Reich, Christoph Wallraffen, Dagmar Ninnemann, Sabine Kückemanns, Angie Reich und Shigeyasu Kameo an dem Wettkamp teilgenommen. Christoph Wallraffen belegte mit seinem Team den 2. Platz.

Das Team (von rechts nach links) Thomas Stier, Peter Fey und Dagmar Ninneman

Das Team vom 2. Platz (von links nach rechts) Robert Oehlke, Thomas Arndt und Christoph Wallraffen

Dagmar Ninnemann